Existenzgründung
von
onlineshop-basics

Selbständigkeit, Existenzgründung Onlineshop

Selbständig mit einem Online-Shop

Die Idee einen Onlineshop aufzubauen, haben viele Menschen, ist ein Onlineshop doch im Vergleich zu einem Ladengeschäft mit meist weniger Aufwand zu realisieren. Außerdem ist der Onlineshop 24 Stunden geöffnet und kann Kunden aus der ganzen Welt anziehen. Doch wissen viele z.B. nicht, welche Schritte notwendig sind, welche technischen Anforderungen gestellt werden und welche finanziellen Chancen und Risiken gegeben sind.


In diesem Artikel geben wir Ihnen einige praktische Hinweise, die Sie beachten sollten, wenn Sie sich mit einem Onlineshop selbständig machen wollen.

Wichtige Fragen für Shopgründer

Das wichtigste vorweg: Einen Onlineshop zu betreiben ist echte Arbeit, die nicht mal eben an einem Wochenende realisiert werden kann. Um nennenswerte Umsätze zu realisieren, die eine nachhaltige Existenz ermöglichen, muss viel Zeit und Fleißarbeit investiert werden.


Den Onlineshop nebenberuflich oder vollberuflich betreiben

Zu allererst sollten Sie sich die Frage beantworten, ob Sie mit einem Onlineshop nebenbei etwas verdienen wollen oder, ob Sie ihn ausschließlich betreiben wollen. Diese Frage zielt zunächst auf Ihre aktuelle Situation ab. Wenn Sie z.B. einen Vollzeitjob haben, müssen Sie entscheiden, ob Sie die sichere Stelle aufgeben und sich dem vollen unternehmerischen Risiko aussetzen wollen. Insofern Sie beispielsweise kaum finanzielle Rücklagen haben, sollten Sie sehr sorgfältig abwägen, ob ein nebenberuflicher Start nicht die bessere Alternative ist. Dadurch gehen Sie ein deutlich geringeres Risiko ein, da Sie im Falle des Scheiterns immer noch Ihre sicheren Einnahmen durch den Job haben.


Insofern Sie sich für einen nebenberuflichen Start entscheiden, sollten Sie allerdings Ihr Vorhaben eventuell mit Ihrem Arbeitgeber abklären. Dies gilt insbesondere dann, wenn im Arbeitsvertrag bestimmte Klauseln zu Nebentätigkeiten festgesetzt wurden.


Wenn Sie von Ihrer Idee überzeugt sind und Sie einen Onlineshop Vollzeit betreiben wollen, geht nichts über eine sorgfältige Planung und Kalkulation. Da es häufig vorkommt, dass in den ersten Monaten nach dem Start der eigenen Online-Existenz keine oder nur geringfügige Gewinne zu erwarten sind, benötigen Sie entsprechend finanzielle Reserven. Schließlich fallen neben Ihrem üblichen Lebensunterhalt auch weitere laufende Kosten an, z.B. Warenbeschaffung, Versandkosten, Serverkosten etc.

Investitionskosten und Finanzierung des Online-Shops

Wieviel Startkapital Sie für Ihren Online-Shop benötigen, hängt in erster Linie von Ihren technischen, kaufmännischen und vertrieblichen Fähigkeiten ab. Motivierend sei an dieser Stelle auch gesagt, dass sich viele Fertigkeiten – mit entsprechendem Zeiteinsatz vorausgesetzt – anlernen lassen. Hierzu lohnt es durchaus in qualitative Literatur zu investieren, deren Ausgabe die eine oder andere kostspielige Beratung schnell wieder einspielen kann.


Doch bevor die Frage nach der Finanzierungshöhe beantwortet werden kann, sollte ausgelotet werden, welche Investitionskosten für die Realisierung des Onlineshops zu erwarten sind. Die Anfangskosten – und damit sind die Kosten gemeint, die anfallen, bevor Ihr Shop online geht - können u.a. Beratungskosten, Einrichtung und Lizenzkosten des Shopsystems, Kauf von Fotomaterial, Erstellung von Grafiken und Logos, Webserver bzw. Webhosting, Rechtsberatung, Erwerb von Software (z.B. Buchhaltungssoftware, Warenwirtschaftssystem) sowie die Gewerbeanmeldung sein. Eine konkrete Summe lässt sich hier kaum ausmachen, da die tatsächliche Summe von den Anforderungen des zukünftigen Shopbetreibers und seinen Fähigkeiten abhängen. Wer technisch sehr versiert ist, kann z.B. mit Investitionssummen von unter 300 EUR rechnen, insofern Shopeinrichtung, Grafikerstellung und die Erstellung von Rechtstexten wie Impressum oder Widerrufsbelehrung selbständig erledigt werden.


Zur eigentlichen Finanzierung – und das betrifft sowohl die Anfangsinvestition als auch den eventuell erforderlichen Kauf von Waren - gibt es sehr viele Modelle. Viele Onlineshop-Betreiber haben private Rücklagen oder zumindest noch einen Partner, der beruflich tätig ist und für den Lebensunterhalt aufkommen kann. Häufig geben auch Verwandte und Bekannte Privatkredite. Allerdings sollte hier immer die Vorsicht mitspielen, da im Falle eines Scheiterns zerrüttete Verhältnisse vorliegen können. Wer es von Anfang ernst meint und entsprechendes Startkapital benötigt, kann z.B. über diverse Investionsbanken oder der KfW sogenannte Gründerkredite beantragen. Ob eine Finanzierung jedoch in Anspruch genommen werden kann, hängt stark von der Idee und von den persönlichen Sicherheiten des Gründers ab. Viele Institute richten hier ein besonderes Augenmerk auf den Businessplan - den man als angehender Shopbetreiber in jedem Falle anfertigen lassen sollte.

Einrichtung und Installation des Online-Shops

Bevor Ihr Shop online geht, müssen Sie erörtern, ob Sie in der Lage Ihren Webshop selbständig zu erstellen. Dabei sollten Sie jedoch nicht irgendein Shopsystem nehmen, sondern eines mit dem Sie gut umgehen können und welches für Ihre unternehmerischen Belange die meisten Vorteile bietet. Es gibt zahlreiche freiverfügbare Shopsysteme (z.B. Prestshop, Virtuemart etc.), doch nutzen diese Ihnen nur wenig, wenn Sie technisch absoluter Neuling sind. In dem Fall wäre die Nutzung einer kommerziellen Shopsoftware, die von einem Dienstleister aufgesetzt wird, die weitaus bessere Alternative. Ja nach Ausrichtung Ihrer Unternehmung können auch Mietshop-Systeme in Betracht kommen, die Kosten zwischen 20,- und 500,- EUR pro Monat betragen können (nach oben ist immer Luft).


Für diejenigen, denen Begriffe wie Webhosting, Datenbanken und Content-Management-Systeme Fremdwörter sind, sei eine vorherige Beratung dringend ans Herz gelegt. Ihr Onlineshop sollte nämlich von Anfang an so angelegt sein, dass Sie nicht in kurzer Zeit später auf ein anderes Shopsystem wechseln. Der spätere Wechsel eines Shopsystems, ist gerade im laufenden Betrieb sehr zeitaufwändig und kann hohe Kosten verursachen.


Warenbeschaffung und Versand

Die Beschaffung von Waren und der intelligente Versand Ihrer Waren sind zwei wichtige Stellschrauben, die den finanziellen Erfolg Ihres Unternehmens sehr stark beeinflussen. Das Prinzip einer optimalen Warenbeschaffung ist einfach: Je günstiger Sie die Waren beschaffen können, umso höher sind Ihre Gewinnmargen. Dabei spielt es u.a. auch eine Rolle, welche Menge Sie an Waren ordern und wie hoch die Lieferkosten für die georderte Warenmenge sind.


Die sorgfältige Kenntnis Ihrer Lieferanten sowie etwas Verhandlungsgeschick beim Einkauf der Waren spielen daher eine große Rolle. Unter Umständen sollte auch geklärt werden, ob ausländische Lieferanten in Betracht kommen. Viele Produkte können im Ausland deutlich günstiger beschafft werden, insofern größere Abnahmeposten finanziert werden können.


Ähnlich ist es beim Versand der Waren zu Ihren Kunden. Die Versandkosten, die Sie Ihren Kunden berechnen müssen moderat sein. Zu hohe Versandkosten sind für viele Kunden ein Hindernis, ein Produkt zu kaufen oder nicht. Zu beachten ist, dass die Versandkosten nicht nur von der reinen Auslieferung der Waren durch ein Versandunternehmen bestimmt werden. Hier können auch weitere Kostenfaktoren wie Kartons, Klebeband oder Füllmaterial mit einzukalkulieren. Je geschickter der Versand der Waren organisiert wird, umso höher sind im Endeffekt auch die Gewinnmargen.

Marketing und Marketingplanung

Natürlich müssen Sie Ihr Unternehmen bzw. Ihren Onlineshop auch bekannt machen. Schließlich bringt allein die Existenz eines Onlineshops noch lange keine Kunden. Sie müssen Werbung machen und ihre Marketingaktivitäten gut planen, so dass Sie nachhaltig Besucher auf Ihren Shop bekommen. Hierfür gibt es eine Reihe an Möglichkeiten. Da Kunden häufig über Suchmaschinen entsprechende Produkte suchen, macht es Sinn Ihren Shop auch suchmaschinenfreundlich zu gestalten. Suchmaschinenoptimierung (SEO) sollte in ihrer Planung also ein wesentlicher Bestandteil darstellen. Weitere Möglichkeiten ist die klassische Suchmaschinenwerbung (SEA), bei dem Sie z.B. über Google so genannte Adwords buchen können. Das sind spezielle Einträge in Suchmaschinen für die Sie pro Klick bezahlen. Die Höhe solcher Klicks orientiert sich u.a. stark am Produkt selbst, an der Wettbewerberdichte und dessen Suchfrequenz.


Weitere Möglichkeiten sind die Teilnahme an reichweitenstarken Werbenetzwerken (Affiliate-Marketing) sowie die Einführung eines eigenen Partnerprogramms. Bei dieser Form des Marketings zahlen Sie einem Partner, der Ihnen einen Kunden verschafft hat, eine vorher ausgehandelte Provision.

Vertrieb

Wenn Ihr Online-Shop fertig eingerichtet ist, sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie noch weitere Online-Vertriebskanäle nutzen, um Ihre Produkte zu verkaufen. Hierzu zählen z.B. klassische Online-Marktplätze wie Ebay und Amazon sowie Preisvergleichsplattformen wie z.B. idealo oder preisvergleich.de.


Bevor Sie diesen Schritt machen, ist eine genaue Durchsicht der jeweiligen Preismodelle zu empfehlen. Für jeden verkauften Artikel über eine Verkaufsplattform fallen auch Verkaufsprovisionen an. Diese können zwischen 7 und 15 Prozent liegen und müssen auch entsprechend eingepreist werden. Bevor Sie sich über die Höhe der Provisionen aufregen, sollten Sie jedoch bedenken, dass die Kunden bereits auf solchen Plattformen sind und Sie keine weiteren Werbekosten haben. Wenn Sie keine besonderen Einkaufsprivilegien haben, sollten Sie auch nicht jede Preisschlacht mitmachen – nicht jeder Kunde kauft zudem immer das günstigste.

Buchhaltung und Steuern

Diese beiden Themen sind wohl für die meisten Existenzgründer eher leidig. Dennoch werden Ihnen die Themen Buchhaltung und Steuern dauerhaft über den Weg laufen. In erster Linie sollten Sie hier klären, ob Sie die Buchhaltung Ihres Onlineshops an einen Dienstleister auslagern oder selbst erledigen wollen. Grundsätzlich gilt, dass mit steigender Kundenzahl die Anzahl der Rechnungen und damit die Zeit, die für die Bearbeitung benötigt wird, zunimmt.


Das Thema Unternehmenssteuern sollte Sie ebenfalls nicht unter den Tisch kehren, da sonst böse Überraschungen möglich sind. Auch wenn das Thema an einen Steuerberater ausgelagert wird, sollten Sie in jedem Fall zumindest wissen, welche Steuerarten für Ihr Unternehmen relevant sind.


Zusammenfassung

Die hier genannten Faktoren erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind allerdings für die meisten Onlineshop –Vorhaben gerade am Anfang genau zu durchdenken. Neben der Planung und der Organisation des Online-Shops, stellen gerade auch die Kalkulation der Finanzen, die Wahl der Marketinginstrumente sowie die Auswahl der Lieferanten die Weichen für Ihren Geschäftserfolg.



Weiterführende Artikel:
Ideen für einen Onlineshop


Letztes Update: 08.06.2014


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Kommentare zum Thema

shopmann | 13.09.2013 11:34

Ich habe vor drei Monaten selbst einen Onlineshop gestartet und kann die hier genannten Überlegungen durchaus begrüßen. Die Punkte Warenbeschaffung und Shopsystem waren dabei wohl die wichtigsten, wie sich im Nachhinein herausstellte. Ein Punkt, der hier nicht angesprochen wird, aber genauso wichtig ist, ist wie die Buchhaltung und der ganze Steuerkram organisiert werden soll. Das führe ich vor allem deshalb an, weil es - insofern der Onlineshop läuft - durchaus etwas Zeit und Muße benötigt.


onlineshop-basics | 14.09.2013 01:51

Danke für den Beitrag @shopmann - erstmal Glückwunsch zur Entscheidung und alles Gute für Ihren Onlineshop. Da gebe ich Ihnen durchaus Recht. Buchhaltung und die gesamte Steuerorganisation sollte im Vorfeld gut geklärt sein bzw. an den Buchhalter des Vertrauens abgegeben werden. Sollte das Geschäft nach kurzer Zeit gut anlaufen, sieht man sich durchaus einem Wulst an Ein- und Ausgangsrechnungen gegenüber gestellt, die bei Unkenntnis sehr viel Zeit verschlingen können.



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